Am Donnerstag, dem 22. Mai 2026, ergriff der französische Präsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast das Wort und sprach anlässlich des 25. Jahrestages des Taubira-Gesetzes, das 2001 den transatlantischen Sklavenhandel und die Sklaverei als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannte. In seiner Ansprache warnte Macron vor „falschen Versprechungen“ in Bezug auf Reparationszahlungen für die Sklaverei. Er betonte, dass die „immense Frage“ der Reparationszahlungen zwar angesprochen werden sollte, jedoch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen wurde. Macron erklärte, es sei unmöglich, das Verbrechen vollständig zu reparieren oder einen finanziellen Wert dafür zu bestimmen. Er plädierte stattdessen für eine symbolische Aufhebung des Code Noir, eines Dekrets von König Ludwig XIV. aus dem Jahr 1685, das die Regeln der Sklaverei in den französischen Kolonien definierte.
Dieser Gesetzestext, der von Jean-Baptiste Colbert verfasst wurde, hatte weitreichende Auswirkungen auf die Sklaverei in den französischen Kolonien. Macron bezeichnete die Nichtaufhebung des Code Noir als ein Versäumnis und eine Beleidigung für die Werte der Republik. Interessanterweise wurde der Code Noir nie formell aufgehoben, obwohl die Sklaverei in Frankreich vor über einem Jahrhundert abgeschafft wurde. Macron’s Äußerungen folgten nach der einstimmigen Genehmigung eines Gesetzesentwurfs durch eine französische parlamentarische Kommission zur Aufhebung des Code Noir, der am Donnerstag, den 28. Mai, auf der Agenda des Parlaments stehen wird. Der Entwurf sieht auch einen Regierungsbericht vor, der die aus dem Kolonialrecht abgeleiteten Bestimmungen auflistet und deren zeitgenössische Auswirkungen, insbesondere in Bezug auf Diskriminierung und Rassismus, analysiert.
Der Weg zur Aufhebung des Code Noir
Ein Änderungsantrag von Nadège Abomangoli (LFI) fordert zusätzlich eine Bewertung der Geschichte von Sklaverei und Sklavenhandel in den Lehrplänen sowie Vorschläge zur Stärkung der Bildung und zur Schaffung von Gedenkstätten und Forschungszentren. Dies zeigt, dass die Diskussion um Sklaverei und deren Folgen in der französischen Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Der Code Noir, dessen Ziel es war, die bestehenden Gebräuche der Plantagenbesitzer zu rationalisieren, war ein Gesetzwerk, das sich hauptsächlich auf die Regelungen zur Sklaverei von Schwarzen bezog, die über den atlantischen Dreieckshandel ins französische Kolonialreich gelangten. Ab 1635 wurden Schwarzafrikaner auf die Antillen verschleppt, um Zuckerrohr industriell anzubauen. Die Bestimmungen dieses Gesetzes hatten nicht nur Einfluss auf die Sklaven selbst, sondern auch auf die gesamte Gesellschaft in den betroffenen Kolonien, in denen Schwarze die Mehrheit der Bevölkerung bildeten.
Ein fehlender Schlussstrich
Die Tatsache, dass der Code Noir erst jetzt zur Diskussion steht, wirft Fragen über den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit und die Verantwortung der heutigen Gesellschaft auf. Macron’s Vorstoß zur symbolischen Aufhebung ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch bleibt abzuwarten, wie die parlamentarischen Debatten und die öffentliche Meinung auf diese Thematik reagieren werden. In einer Zeit, in der Rassismus und Diskriminierung weltweit diskutiert werden, könnte diese Initiative ein wichtiger Beitrag zu einem offenen Dialog über die koloniale Vergangenheit Frankreichs sein.
Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die vollständigen Berichte auf Breitbart und Le Monde nachlesen. Die historische Grundlage des Code Noir und seine weitreichenden Auswirkungen werden zudem in der Wikipedia ausführlich behandelt.