Die geopolitischen Spannungen im Persischen Golf haben eine neue Eskalationsstufe erreicht, nachdem die Vereinten Nationen am Donnerstag ihren Evakuierungsplan für in der Region gestrandete Schiffe ausgesetzt haben. Hintergrund ist der Angriff auf das Frachtschiff Ever Lovely, das laut US-Beamten von der iranischen Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) mit einem „Projektile“ getroffen wurde. Das Schiff war gerade dabei, die Straße von Hormuz zu verlassen, als es 3,6 Seemeilen vor der Küste von Omans Khawr Naiwah getroffen wurde. Evergreen, die taiwanesische Reederei, berichtete, dass das Frachtschiff über 100 Tage im Persischen Golf gefangen war, bevor es Ladung im irakischen Hafen Umm Qasr aufnahm und in Richtung Singapur fuhr.

Der Vorfall ereignete sich, während die Ever Lovely von drei anderen Schiffen flankiert wurde und einem von UKMOT empfohlenen sicheren Kurs folgte. Sowohl UKMTO als auch die Maritime und Port Authority of Singapore verurteilten den Angriff als „unprovoziert, ungerechtfertigt und einen Verstoß gegen das Völkerrecht“. Evergreen stellte fest, dass das Schiff zwar Schäden in der Nähe der Brückenfenster erlitten hatte, der Rumpf jedoch seetüchtig blieb und die Besatzung unverletzt war. Die Internationale Maritime Organisation (IMO) pausierte daraufhin ihren Plan zur Behebung des Schiffs- und Tankerstaus, der im März aufgrund der Schließung der Straße von Hormuz entstanden war.

IRGC und die Kontrolle über die Schifffahrtsrouten

Die IRGC hat in einer aktuellen Erklärung betont, dass nur genehmigte Routen durch die Straße von Hormuz genutzt werden dürfen. Schiffe, die außerhalb der von Iran festgelegten Routen transitieren, könnten mit Durchsetzungsmaßnahmen konfrontiert werden. Dies geschieht im Kontext einer Warnung der IRGC, dass „bestimmte Behörden“ eine neue Schifffahrtsroute ohne Rücksprache mit Teheran angekündigt hätten, was sie als ernsthafte Sicherheitsrisiken ansah. Die IRGC insistiert darauf, dass die Kommunikation mit iranischen Behörden und die Koordination über Kanal 16 für die Passage obligatorisch sind.

Diese Warnung folgt auf eine Erklärung Omans zur Kontrolle über die Straße von Hormuz. Oman hat in Zusammenarbeit mit der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) einen Schifffahrtskorridor eingerichtet, um die Freiheit der Navigation zu gewährleisten. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, dass es für ihn „inakzeptabel“ wäre, wenn das Iran-Abkommen Gebühren für den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz enthalten würde. Dies zeigt die Komplexität der diplomatischen Verhandlungen und die verschiedenen Interessen, die in dieser strategisch wichtigen Wasserstraße aufeinanderprallen.

Internationale Reaktionen und Perspektiven

Die Situation wird durch die jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran weiter kompliziert. Eine gemeinsame Erklärung von US-Außenminister Marco Rubio und den Mitgliedern des Golf-Kooperationsrates (GCC) hebt die Bedeutung der Wiedereröffnung der Straße von Hormuz hervor und weist „jegliche Mautgebühren, Gebühren oder Versuche, Kontrolle über die Straße zu behaupten“ zurück. Der iranische stellvertretende Außenminister Kazem Gharibabadi äußerte sich jedoch skeptisch und erklärte, dass eine sichere Durchfahrt unter unklaren Regelungen nicht garantiert werden könne.

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Iranische Staatsmedien berichteten über drei Schiffe, die nach einem „unerlaubten Durchgang“ durch die Straße von Hormuz umkehren mussten. Dies verdeutlicht die angespannte Lage und die Schwierigkeiten für Schiffe, die diese strategische Wasserstraße nutzen wollen. Das internationale Augenmerk bleibt auf der Entwicklung der Situation gerichtet, während die Schifffahrtsindustrie und die geopolitischen Akteure um eine Lösung ringen. Für weitere Informationen und Updates zur aktuellen Lage in der Straße von Hormuz besuchen Sie bitte Spiegel Online.