Die Filmindustrie in Atlanta, die sich einst den stolzen Titel „Hollywood des Südens“ erwarb, sieht sich gegenwärtig mit einer schweren Krise konfrontiert. Ein deutliches Beispiel ist der 48-jährige digitale Imaging-Techniker Ratledge, der 2017 von Indiana nach Georgia zog, um von den großzügigen Steueranreizen in der Region zu profitieren. Diese Anreize machten Atlanta zum bevorzugten Drehort für große Produktionen wie „Die Tribute von Panem“, „Stranger Things“ und zahlreiche Marvel-Filme. Ratledge arbeitete bis zu 70 Stunden pro Woche und verdiente 72 USD pro Stunde, was ihm half, seine Steuerverbindlichkeiten zu begleichen. Doch seit Mai 2024 hat sich seine Situation dramatisch verändert: Er hat nur vier Tage am Set gearbeitet und ist nun Teilzeit in einem Tenniszentrum tätig, wo er lediglich 15 USD pro Stunde verdient, ohne Krankenversicherung. Seine Frau, eine Krebsüberlebende, reinigt Häuser, um die Familie zu unterstützen, und das monatliche Einkommen von 2.000 USD reicht nicht aus, um die Miete zu decken. Dies führt zu zunehmenden Schulden und Depressionen bei Ratledge.

Die Ausgaben für Film- und TV-Produktionen in Georgia sind im letzten Geschäftsjahr von 4,4 Milliarden USD im Jahr 2022 auf nur noch 2,3 Milliarden USD gesunken. Dies ist nicht zuletzt auf die Auswirkungen der Streiks von Drehbuchautoren und Schauspielern zurückzuführen, die die Anzahl der Produktionen von 412 im Jahr 2022 auf 245 im Jahr 2023 drückten. Darüber hinaus hat Marvel Georgia verlassen, und der letzte dort gedrehte Film war „Thunderbolts“ (2025). Streaming-Dienste wie Netflix verlagern zunehmend ihre Produktionen ins Ausland und reduzieren die Anzahl der produzierten Shows. In diesem Kontext berichten lokale Facebook-Gruppen von einem Arbeitsmangel, da erfahrene Fachkräfte die wenigen verfügbaren Positionen besetzen.

Die Zukunft der Filmproduktion in Atlanta

Trotz der gegenwärtigen Herausforderungen gibt es Hoffnung für die Filmindustrie in Atlanta. Shadowbox Studios, ein großer Betreiber von Filmstudios in der Region, setzt auf die Zukunft und bietet Schulungen für angehende Filmemacher an. Im Rahmen des Programms „Backlot Academy“ wird die Diversität in der Branche gefördert, indem Teilnehmer praktische Fähigkeiten erlernen und Mentoring erhalten, um in die Filmwelt einzutreten. Thomas von der Georgia Film Office berichtet zudem von einem Anstieg der Geschäfte im letzten Geschäftsjahr, was teilweise auf neue staatliche Gesetze zurückzuführen ist, die Steueranreize auf eine breitere Palette von Produktionsarten ausdehnen. Einige Branchenveteranen blicken optimistisch in die Zukunft und glauben an eine positive Entwicklung der Filmindustrie in Atlanta.

Im internationalen Kontext zeigt sich, dass Länder wie Deutschland ebenfalls bestrebt sind, ihre Filmindustrie zu stärken. Die Einführung eines steuerlichen Anreizmodells für die Film- und Serienproduktion sorgt dort für Planungssicherheit und erhebliche Mehrinvestitionen. Dieses Modell bietet einen festgelegten, nicht gedeckelten Abzug auf die Investitionssumme, der jederzeit verfügbar ist, was die Bearbeitungszeiten verkürzt und den Verwaltungsaufwand reduziert. Solche Maßnahmen könnten dazu beitragen, dass Deutschland als attraktiver Produktionsstandort im internationalen Vergleich besser abschneidet. Planungssicherheit und Zugänglichkeit sind entscheidend, um die Filmindustrie zu fördern und mit anderen Ländern konkurrieren zu können. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Website von Bitkom.

In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen in Atlanta und den globalen Trends bleibt abzuwarten, wie sich die lokale Filmindustrie weiterentwickeln wird. Die Herausforderungen sind groß, aber auch die Chancen, insbesondere durch innovative Ansätze zur Unterstützung und Förderung von Talenten in der Branche.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren