Am 1. Juni 2026 veröffentlichte die britische Polizei einen Ausschnitt von Bodycam-Aufnahmen, die die letzten Momente im Leben von Henry Nowak zeigen. Diese Veröffentlichung fiel zeitlich zusammen mit der Verurteilung des Mörders Vickrum Digwa, der zu einer lebenslangen Haftstrafe mit einer Mindestverbüßungszeit von 21 Jahren verurteilt wurde. In dem dreiminütigen Video ist zu sehen, wie Polizeibeamte am Tatort eintreffen, wo Nowak, der erstochen wurde, gegen eine Wand lehnt und wiederholt sagt: „Ich wurde gestochen.“

Die Reaktion der Beamten auf Nowaks Aussagen war jedoch alarmierend. Anstatt sofort zu handeln, schien ein Beamter Nowaks Behauptungen in Frage zu stellen, indem er fragte: „Wo? Ich glaube nicht, dass du das hast, Kumpel.“ Eine weibliche Kollegin fragte, wo er sich verletzt fühlte, während ein männlicher Kollege ihn unterbrach und behauptete, er sei nicht gestochen worden. Die Aufnahmen enden damit, dass ein Beamter feststellt, Nowaks Pupillen reagierten nicht mehr und er sei verstummt. Mark Nowak, der Vater von Henry, kritisierte die Behandlung seines Sohnes durch die Polizei scharf. Er äußerte, dass sein Sohn nicht im Gewahrsam hätte sterben dürfen und dass die Beamten Digwas Aussagen ohne Zweifel akzeptierten, während sie Nowak inhuman behandelten. Dies hat zu einem Aufschrei über die Polizeiausbildung und Vorwürfe der Zwei-Klassen-Polizei geführt, insbesondere in Bezug auf den mutmaßlichen Rassismus gegenüber weißen Menschen.

Öffentliche Reaktionen und Forderungen nach Reformen

Die Empörung über die Ereignisse hat auch prominente Stimmen aus der Politik mobilisiert. Reform UK, einschließlich des bekannten Politikers Nigel Farage, kritisierte die Reaktion der Polizei und deutete auf eine mögliche rassistische Voreingenommenheit hin. Farage bezeichnete die veröffentlichten Aufnahmen als „das schockierendste Material über Diskriminierung“. Diese Sichtweise wird von anderen Mitgliedern der Reform UK unterstützt, die ebenfalls auf die vermeintlichen Mängel im Polizeiverhalten hinweisen. Der ehemalige Polizeidetektiv Colin Sutton forderte eine kulturelle Veränderung innerhalb der Polizei und kritisierte die derzeitigen Diversitäts- und Inklusionsrichtlinien.

Die Diskussion über Rassismus innerhalb der Polizei ist nicht neu. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass rassistische Durchsuchungen durch die Polizei in Großbritannien weit verbreitet sind. Anlass für die Studie war die Leibesvisitation einer 15-jährigen schwarzen Schülerin in London, die während ihrer Periode ohne die Anwesenheit von Eltern oder Lehrern durchsucht wurde. Zwischen 2018 und Mitte 2022 wurden in England und Wales insgesamt 2847 Leibesvisitationen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren durchgeführt. Schwarze Kinder waren im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil sechs Mal wahrscheinlicher von solchen Durchsuchungen betroffen. In über der Hälfte der Fälle waren keine erwachsenen Vertrauenspersonen anwesend, und 95 Prozent der Betroffenen waren Jungen.

Institutioneller Rassismus und die Notwendigkeit von Reformen

Die Kinderschutzbeauftragte Rachel de Souza bezeichnete diese Praktiken als „zutiefst besorgniserregend“ und kritisierte die weit verbreitete Nichteinhaltung gesetzlicher Schutzmaßnahmen. Auch die Hilfsorganisation The Children’s Society hebt hervor, dass schwarze Kinder überproportional von dieser Praxis betroffen sind, und der Runnymede Trust hat die Aufhebung der Polizeibefugnisse für Leibesvisitationen gefordert. Ein vorheriger Untersuchungsbericht der Londoner Polizei hatte bereits institutionellen Rassismus innerhalb der Polizeikräfte festgestellt. Bei 86 Prozent der Leibesvisitationen lag der Verdacht auf Drogen vor, während nur 9 Prozent Waffen und 2 Prozent Diebstahl betrafen. In fast einem Viertel der Fälle wurden die vermuteten Gegenstände jedoch nicht gefunden.

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Diese Vorfälle werfen nicht nur Fragen zur Polizeiarbeit auf, sondern beleuchten auch die tief verwurzelten Probleme im Umgang der Polizei mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Forderungen nach umfassenden Reformen werden lauter, und es bleibt abzuwarten, inwieweit die Verantwortlichen auf den öffentlichen Druck reagieren werden.