Heute ist der 22.05.2026. Eine aktuelle Studie des National Institute of Demographic Studies (INED) in Frankreich hat die demografische Landschaft des Landes beleuchtet. Rund ein Drittel der Bevölkerung, so die Erhebungen, hat entweder einen ausländischen Geburtsort oder ist Nachkomme von Einwanderern. Diese Erkenntnisse basieren auf Interviews mit 27.000 Personen in Frankreich zwischen 2019 und 2020. Besonders auffällig ist, dass 13 % der Bevölkerung aus dem Ausland stammen, 11 % Kinder von Einwanderern und 10 % Enkel von Einwanderern sind. Eine Verbindung zur Einwanderung, sei es durch persönliche Herkunft oder Heiratsverhältnisse, haben sogar 41 % der Bevölkerung. Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark Einwanderung die französische Gesellschaft prägt.

Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass ein Fünftel der Einwanderer, die nach ihrem 16. Lebensjahr nach Frankreich kamen, illegal oder als „undokumentiert“ eingereist sind. Die Mehrheit dieser Einwanderer kommt aus nicht-europäischen Ländern, wobei 32 % aus Nordafrika, 20 % aus Subsahara-Afrika und 16 % aus Asien stammen. Nur 28 % kommen aus anderen europäischen Ländern. Diese demografischen Veränderungen haben auch Auswirkungen auf die Integrationsdynamik in Frankreich. Während Nachkommen europäischer Einwanderer tendenziell einem Assimilationsmodell folgen, entwickeln nicht-europäische Herkunftsgruppen eher eine „hyphenierte Identität“, die sich durch Ethnizität oder Religion von der restlichen Bevölkerung abhebt.

Die Herausforderungen der Integration

Eine besorgniserregende Entwicklung zeigt sich unter jüngeren Muslimen in Frankreich. Umfragen deuten darauf hin, dass diese Generation eine höhere Radikalisierung aufweist, wobei 60 % der 18- bis 25-Jährigen die Sharia dem französischen Recht vorziehen. Diese Trends übertreffen laut dem Institut français d’opinion publique (Ifop) sogar die pessimistischsten Schätzungen zur Integration. Politische Akteure wie der Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon begrüßen die demografischen Veränderungen und sprechen von einem „Großen Austausch“ und einer „Neuen Frankreich“.

Die vorliegende Studie weist darauf hin, dass trotz der signifikanten Fortschritte in der Integration nach wie vor erhebliche Ungleichheiten bestehen. Der Begriff „große Vermischung“ beschreibt dabei die Veränderungen in der Gesellschaft, die durch die Einwanderung hervorgerufen werden. Diese Vermischung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem harmonischen Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen.

Migration im europäischen Kontext

Im weiteren europäischen Kontext zeigt die EU Blue Card, dass es auch einen Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern gibt. Im Jahr 2024 erhielten etwa 78.100 hochqualifizierte Nicht-EU-Arbeiter eine EU Blue Card, wobei Deutschland die größte Anzahl mit 56.300 oder 72 % aller ausgestellten Blue Cards stellte. Weitere Länder mit hohen Ausgaben sind Polen, Ungarn und Frankreich.

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Zusätzlich erhielten Non-EU-Bürger die Möglichkeit, in der EU zu studieren und zu forschen. Insgesamt wurden 2024 in den EU-Ländern 475.000 Genehmigungen für Studium und Forschung ausgestellt, wobei Deutschland und Frankreich die meisten Genehmigungen erteilten. Dies zeigt, dass die EU nicht nur auf Einwanderung angewiesen ist, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sondern auch um eine internationale Wissensbasis zu fördern.

Die Herausforderungen und Chancen, die mit der Migration verbunden sind, werden in Zukunft eine zentrale Rolle in der europäischen Politik spielen. In Frankreich, wo ein erheblicher Teil der Bevölkerung aus Einwanderern oder deren Nachkommen besteht, ist es besonders wichtig, einen konstruktiven Dialog über Integration und Identität zu führen. Die Ergebnisse der INED-Studie, die Sie hier nachlesen können, sind dabei ein entscheidender Ausgangspunkt für die Diskussion.

Zusätzliche Informationen zu den demografischen Veränderungen und den damit verbundenen Herausforderungen finden Sie in einem ergänzenden Artikel im Le Monde.