Am 21. Mai 2026 äußerten die US-Senatoren Bernie Moreno (R-OH) und Tim Sheehy (R-MT) ernsthafte Bedenken hinsichtlich der geplanten Übernahme der Webster Financial Corporation, einer Bank aus Connecticut mit einem Vermögen von 84 Milliarden US-Dollar, durch die spanische Banco Santander. In einem Brief an hochrangige Vertreter der US-Behörden, darunter der Attorney General und der Vorsitzende der Federal Reserve, machten die Senatoren auf potenzielle Risiken für amerikanische Arbeiter und Unternehmen aufmerksam, die aus der Kontrolle einer ausländischen Bank resultieren könnten. Sie befürchten, dass die Übernahme die Kontrolle über US-Einlagen, Daten und Kreditentscheidungen an Santander übergeben könnte, was in einem angespannten geopolitischen Klima zusätzliche Bedenken aufwirft.
Die Beziehungen zwischen den USA und Spanien haben sich zuletzt verschlechtert. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat öffentlich Kritik an den USA und Israel geübt und US-Militäroperationen im Zusammenhang mit dem Iran eingeschränkt. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Präsident Trump darüber nachdenkt, amerikanische Truppen aus Spanien abzuziehen. Die Senatoren wiesen auch auf Santanders Vorgeschichte bei Iran-spezifischen Sanktionen hin, einschließlich der Vorwürfe, Bankdienstleistungen an ein iranisches Briefkastenunternehmen erbracht zu haben. Santander UK hat jedoch erklärt, dass ihr eine gründliche Untersuchung keine Verstöße gegen US-Sanktionen aufzeigen konnte.
Risiken einer Übernahme
Die Senatoren betonen, dass die Übernahme von Webster Financial durch Santander die Bank auf einen Rang unter den zehn größten sowohl gewerblichen als auch Einzelhandelsbanken in den USA katapultieren würde, mit geschätzten Vermögenswerten von 327 Milliarden US-Dollar. Dies könnte dazu führen, dass amerikanische Gemeinden in ihren finanziellen Entscheidungen stärker von ausländischen Interessen abhängig werden. Die Bedenken beschränken sich jedoch nicht nur auf die Kontrolle über Einlagen. Auch die Frage der Geldwäsche und die Verbindungen zu kolumbianischen Drogenkartellen stehen im Raum. Die Senatoren argumentieren, dass selbst wenn es keine direkten Verletzungen von Sanktionen gibt, die Systeme von Santander möglicherweise zur Finanzierung von anti-amerikanischen Aktivitäten missbraucht wurden.
In einer Stellungnahme zu einem kürzlich erschienenen Artikel in britischen Medien, der ein Konto mit angeblichen Verbindungen zum Iran thematisierte, bekräftigte Santander, dass nach einer internen Untersuchung keine Verstöße gegen Sanktionen festgestellt wurden. Die Überprüfung ergab, dass der Kontoinhaber nicht auf Sanktionslisten stand und die Transaktionen geringfügig waren. Santander hat die zuständigen Regulierungsbehörden sowohl in Großbritannien als auch in den USA vor Veröffentlichung des Artikels informiert und betont, dass es zu keinen Verstößen gegen US-Sanktionen gekommen sei.
Geopolitische Implikationen
Der Fall zeigt auch die Spannungen zwischen den verschiedenen Sanktionsregimen und deren Auswirkungen auf Unternehmen. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2021 zu den Sekundärsanktionen der USA verdeutlicht die rechtlichen Herausforderungen, vor denen europäische Unternehmen stehen. Im Fall der Telekom Deutschland GmbH, die Verträge mit der Bank Melli Iran kündigte, beschäftigte sich der EuGH mit der Beweislast und den rechtlichen Konsequenzen bei der Einhaltung von US-Sanktionen. Die EU-Blocking-Verordnung verbietet es EU-Unternehmen, Drittstaaten-Sanktionen zu befolgen, was zu einem rechtlichen Dilemma führt, wenn diese mit den US-Sanktionen in Konflikt stehen.
Die Diskussion um die Übernahme von Webster Financial durch Santander ist somit nicht nur eine Frage des Finanzmarktes, sondern auch ein Spiegelbild der geopolitischen Spannungen und der Herausforderungen, die Unternehmen in einem zunehmend komplexen internationalen Kontext meistern müssen. Die Frage bleibt, ob und wie die US-Regierung auf die Warnungen der Senatoren reagieren wird und welche Auswirkungen dies auf zukünftige internationale Unternehmensübernahmen haben könnte.