Erste offen lesbische Bischöfin im Süden der USA: Sarah Fishers historische Ordination
Am 26. Mai 2026 wurde in der Diözese East Carolina im Riverfront Convention Center in New Bern, North Carolina, ein historisches Ereignis gefeiert: Rev. Sarah Fisher wurde als erste offen lesbische Bischöfin im Süden der USA ordiniert. Ihr Lebenspartner, Rev. Mandy Brady, sowie zahlreiche Kirchenführer und Geistliche aus der ganzen Denomination waren anwesend, um diese wegweisende Installation zu zelebrieren. In ihrer Antrittsrede sprach Fisher über die Kraft Gottes und ihre Leidenschaft für die Entwicklung von Gemeinden und Organisationen. Die Episkopalkirche, die in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum der Anerkennung von LGBTQ+-Menschen feiert, hat sich klar für eine inklusive Haltung ausgesprochen und betont, dass sie die Segnungen im Leben ihrer LGBTQ+-Geschwister gesehen hat. Fisher beschreibt sich selbst als „Pilgerin, die dem auferstandenen Christus folgt“ und hat sich voll und ganz der Aufgabe verpflichtet, die den Menschen in ihrer Diözese zugutekommen soll.
Die Wahl von Fisher zur Bischöfin ist nicht nur eine persönliche Errungenschaft, sondern auch ein bedeutender Schritt für die Episkopalkirche, die in den letzten Jahrzehnten mit einem Rückgang der Mitgliederzahlen von etwa 2,1 Millionen im Jahr 2006 auf rund 1,54 Millionen im Jahr 2023 konfrontiert ist. Fisher, die als neunte Bischöfin der Diözese East Carolina gewählt wurde, trat die Nachfolge von Bishop Rob Skirving an, der nach über einem Jahrzehnt in den Ruhestand ging. Bei ihrer Wahl im November erhielt Fisher 36 Stimmen von Geistlichen und 70 Stimmen von Laien, was die Unterstützung innerhalb der Kirche verdeutlicht. Die Installation wurde von Presiding Bishop Sean Rowe geleitet, während Robert Wright die Predigt hielt.
Ein Zeichen des Wandels in der Kirche
Die Episkopalkirche hat in den letzten Jahren mehrere Maßnahmen ergriffen, um sich für die LGBTQ+-Gemeinschaft starkzumachen. Eine Resolution aus dem Jahr 2022 bekräftigte, dass alle Episkopalen Zugang zu geschlechtsbejahender Pflege ohne Einschränkungen haben sollten. Diese Resolution lehnt auch Gesetze ab, die Menschen, einschließlich Kindern, die medizinische Unterstützung bei Geschlechtsänderungen verwehren. Geschlechtsbejahende Pflege umfasst wesentliche medizinische Interventionen wie Pubertätsblocker, Hormontherapie und chirurgische Eingriffe. Die Kirche hat damit einen klaren Standpunkt in einer Zeit eingenommen, in der viele religiöse Institutionen noch immer an traditionellen Ansichten festhalten.
Historisch gesehen haben Kirchen, darunter auch die katholische und evangelische Kirche, LGBTQI* oft verurteilt und marginalisiert. Doch aktuell findet ein vorsichtiger Umbruch in der Haltung vieler Kirchen statt, was sich auch in der Organisation von Tagungen zeigt, die sich mit den historischen und theologischen Perspektiven zu queeren Menschen und den großen christlichen Kirchen beschäftigen. Diese Veranstaltungen zielen darauf ab, das Verhältnis zwischen queeren Menschen und der Kirche zu beleuchten und Themen wie „Homosexualität“ und „Geschlechterdiversität“ zu diskutieren. Die Tagungen bieten einen Raum für Historiker:innen, Theolog:innen und Vertreter:innen queerer Kirchengruppen, um über die Herausforderungen und Möglichkeiten zu sprechen, die sich aus der sich wandelnden Sichtweise der Kirchen ergeben.
Ein Blick in die Zukunft
Die Installation von Sarah Fisher als erste offen lesbische Bischöfin im Süden der USA könnte ein Wendepunkt für die Episkopalkirche und möglicherweise für andere christliche Denominationen sein. In einer Zeit, in der die Gesellschaft zunehmend Vielfalt und Inklusion in den Vordergrund rückt, könnte diese Entscheidung dazu beitragen, dass sich auch andere Kirchen weiter öffnen und anpassen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklungen in der Episkopalkirche und in der breiteren christlichen Gemeinschaft gestalten werden.
Für Interessierte an den theologischen Perspektiven und den Erfahrungen queerer Menschen in den Kirchen wird eine Tagung organisiert, die vom 21. bis 23. November 2024 stattfinden wird. Diese Veranstaltung wird vielfältige Themen behandeln, darunter die Geschichte der Queerpastoral in der katholischen Kirche und die Begründung der Verurteilung von Homosexualität in der katholischen Lehre.
Insgesamt zeigt die Ernennung von Sarah Fisher und die damit verbundenen Entwicklungen, dass die Kirchen, trotz ihrer oft restriktiven Vergangenheit, auf einem Weg der Veränderung und der Akzeptanz sind, der sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringt.
