Polen entzieht Zelenskyy Orden nach umstrittenem Erlass zur UPA
Am 20. Juni 2026 hat der polnische Präsident Karol Nawrocki angekündigt, dass Volodymyr Zelenskyy, der Präsident der Ukraine, die höchste staatliche Auszeichnung Polens, den „Orden des Weißen Adlers“, aberkannt werden soll. Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf einen Erlass Zelenskyys vom 26. Mai, in dem eine militärische Einheit nach der UPA (Ukrainische Insurgent Army) benannt wurde. In Polen wird die UPA für zahlreiche Massaker an polnischen Zivilisten während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gemacht. Nawrocki erklärte, dass die Entscheidung, die Auszeichnung zu widerrufen, nicht die Unterstützung Polens für die Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland verringern werde. Nächste Woche wird Zelenskyy in Polen erwartet, wo eine bedeutende Veranstaltung zur Wiederaufbauhilfe für die Ukraine stattfindet.
Der Erlass von Zelenskyy zielt darauf ab, die historischen Traditionen der ukrainischen Streitkräfte zu würdigen und die Rolle der UPA im Kampf um die ukrainische Unabhängigkeit zu betonen. Diese Sichtweise wird in der Ukraine als patriotisch betrachtet, während Polen die UPA als Täter von Völkermord sieht. Das polnische Parlament hatte bereits 2016 die Verbrechen der UPA als Völkermord anerkannt. Historische Spannungen zwischen Polen und der Ukraine sind nicht neu und haben sich seitdem immer wieder verschärft. Die UPA kämpfte nicht nur gegen die Nazis, sondern führte ab 1943 auch ethnische Säuberungen gegen die polnische Bevölkerung in Wolhynien durch, was zu schätzungsweise 100.000 Toten unter den Zivilisten führte. Während in der Ukraine UPA-Kämpfer als Helden verehrt werden, sieht Polen sie als Massenmörder an.
Ein umstrittener Schritt
Die Entscheidung von Nawrocki wird von vielen in Polen unterstützt, da Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Aberkennung des Ordens von Zelenskyy befürwortet. Gleichzeitig äußerte Polens liberaler Premierminister Donald Tusk Kritik an Zelenskyys Erlass und warnte vor den möglichen politischen Vorteilen, die Russland aus diesem Konflikt ziehen könnte. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha hingegen bezeichnete die Entscheidung als strategischen Fehler und respektlos gegenüber der Ukraine. Er forderte eine Deeskalation der Spannungen und wies darauf hin, dass solche sensiblen historischen Themen besser von Fachhistorikern behandelt werden sollten.
Zusätzlich hat Sybiha angekündigt, dass ukrainische Politiker erwägen, polnische Orden zurückzugeben, was die Spannungen zwischen den beiden Ländern weiter anheizen könnte. Während Polen rund 1,5 Millionen ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat und sich intensiv für militärische Unterstützung der Ukraine einsetzt, zeigt sich in der polnischen Gesellschaft eine wachsende Skepsis gegenüber diesem Engagement. So wurden Sozialhilfen für ukrainische Flüchtlinge gekürzt und die Lieferung von Mig-29 Kampfjets auf Eis gelegt, was zu einem Wandel in der öffentlichen Stimmung geführt hat.
Historische Kontexte und zukünftige Perspektiven
Die aktuellen Spannungen sind nicht nur das Ergebnis zeitgenössischer politischer Entscheidungen, sondern auch das Produkt einer langen Geschichte zwischen Polen und der Ukraine. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren haben sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern zwar verbessert, doch die Schatten der Vergangenheit werfen einen langen Schatten auf die gegenwärtige Zusammenarbeit. Eine Untersuchung von 2001 zeigt, dass das Bild der Ukraine in Polen stark von historischen Ereignissen geprägt ist, insbesondere dem Zweiten Weltkrieg. Die Wahrnehmung Polens in der Ukraine hat sich nach 2000 verbessert, da Polen als erfolgreiches Land gilt, jedoch bleibt die polnische Haltung oft paternalistisch, mit einem Wunsch, die Ukraine zu unterstützen und gleichzeitig eine „Abrechnung“ mit der Vergangenheit zu fordern.
Die ukrainische Seite fordert hingegen eine Anerkennung ihres Rechts auf eine eigene Geschichtsdarstellung und Entschuldigungen für vergangene Vergehen. Historische Themen sind in der ukrainischen Gesellschaft weniger prägend als die gegenwärtige Zusammenarbeit und Zukunftsperspektiven. Umfragen zeigen, dass die Sympathiewerte für Polen in der Ukraine nach dem russischen Angriffskrieg 2022 gestiegen sind, während in Polen eine tiefere Verankerung der Geschichte im öffentlichen Leben zu unterschiedlichen Herangehensweisen an die Erinnerungspolitik führt. Eine Verständigung über die Vergangenheit zwischen Polen und der Ukraine wird nur möglich sein, wenn beide Seiten bereit sind, ihre historischen Narrative zu überdenken und aufeinander zuzugehen.
Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch den Artikel auf Breitbart, Focus und bpb.
